Wie sieht es eigentlich aus in einem Schweinestall?

von Winnie Bürger

Bisher haben wir uns nur auf Gnadenhöfen wie denen von Rüsselheim e.V. getummelt. Da leben Schweine die aus unterschiedlichsten Gründen freigekauft wurden in Freiheit. Mit viel Gesellschaft, Platz, offenen Ställen, Heu, Wiese, Suhle – allem was das Schweineherz begehrt, bis an ein natürliches Lebensende. Aber wie sieht es in der konventionellen Schweinehaltung aus?

Die Bauern, bei denen wir wegen einer Stallbesichtigung anfragten, waren wenig begeistert. Haben sie doch zu oft erlebt, dass sie von Tierfreunden massiv der Tierquälerei beschuldigt werden (ob berechtigt oder nicht wollen wir an dieser Stelle nicht diskutieren). Also nahmen wir Kontakt zum Lehr- und Forschungsgut Frankenforst, einem Forschungsbauernhof der Universität Bonn auf. Sie ist u.a. Ausbildungsstätte für angehende Landwirte und unterrichtet diese sowie Studenten unterschiedlicher Fakultäten zu den Themen Zucht, Haltung, Ernährung und Verhalten landwirtschaftlicher Nutztiere.

Mit etwas mulmigem Gefühl fuhren wir hin, Bilder von viel zu kleinen Kastenständen, Ferkeln mit durch Spaltenboden verstümmelten Füßchen etc. vor Augen. Was würden wir zu sehen bekommen?

Ausgestattet mit Wegwerfoveralls und Schuhüberziehern schlurften wir durch die Desinfektionswannen in das Stallgebäude. Erste Station: ein großer Raum mit mehreren trächtigen Sauen und einem Eber, der zur Animation der noch nicht trächtigen Weibchen dienen soll. Als dieser riesige Kerl seinen Betreuer sah stellte er sich sogleich auf die Hinterbeine um gekrault zu werden, was er dann auch sichtlich genoss.

Weiter ging es zu den Abferkelbuchten. Wir erfuhren, dass die Sauen einige Tage in den Kastenständen verbringen, um den neugeborenen Ferkeln die Gelegenheit zu geben, so fit zu werden, dass sie sich in Sicherheit bringen können, wenn ihre Mutter sich hinlegt, und dadurch nicht versehentlich von ihr erdrückt werden. Sind die Ferkelchen nach 3 Tagen standfester und mobiler wird die Abferkelbucht auf etwa 10 m² erweitert, lediglich ein Gitter trennt den Bereich der Sau von dem mit Stroh gepolsterten und mit Wärmelampe kuschelig temperierten Bereich der kleinen Ferkel. Diese können jederzeit durch das Gitter marschieren und bei der Mutter trinken.

Hier in Frankenforst, werden sie nach lokaler Betäubung und mit anschließender Schmerztherapie etwa am 5. Lebenstag kastriert.

Später, nach ca. 4-5 Wochen, kommen sie ohne Muttersau aber als „Familienverbund“ in die Jungferkelbuchten, wo die Mast-Phase beginnt. Mit etwa 25 kg haben sie dort noch ausreichend Platz um zu hüpfen, spielen, ein bisschen zu rennen und sich gegenseitig zu ärgern. Deshalb kupiert man ihnen vorher auch den letzten Zentimeter ihres Ringelschwänzchens. Der kürzere Schwanz (der bei Schweinchen eigentlich ständig in Bewegung ist) animiert jedoch die „Mitbewohner“ weniger als ein längerer Schwanz zum spielerischen Anknabbern. Das tun sie gerne, denn eigentlich ist ihnen langweilig. Verschiedene Spielzeuge beschäftigen die klugen Tiere nämlich nur kurz: nach zwei, drei Tagen sind Seile, Bälle und Ketten keine Herausforderung mehr, so der zuständige Fachmann.

Auch die Schweine von Frankenforst werden nach der Mast geschlachtet; laut Institutsleitung in einem Schlachtunternehmen, das mit CO² Betäubung arbeitet und die Tiere schnell und schmerzlos einschlafen lässt.

Auf der Rückfahrt lassen wir das  Gesehene Revue passieren. So schlimm, wie wir es uns vorgestellt haben, war es glücklicherweise nicht. Wie man uns erklärt hat: sie vermissen den Freilauf nicht wirklich, weil sie ihn ja nie kennengelernt haben. Trotzdem ist das Leben eines Schweines in der konventionellen Haltung nicht das, was wir aus Tierschutzsicht diesen intelligenten und lebhaften Tieren wünschen würden...

Wir haben es schon einmal gesagt: in einer idealen Welt gäbe es keine „Nutz“tiere. Stattdessen würden Tiere artgerecht leben, im Miteinander mit den Menschen. Leider sind wir davon noch weit entfernt. Aber wenn all die Fleisch- und Wurstfreunde dieser Erde bereit wären, mehr zu bezahlen und dafür vielleicht einfach etwas seltener tierische Lebensmittel zu essen, wäre schon viel geholfen.

Millionen Ferkel und andere Nutztiere würden zwar weiterhin viel zu früh sterben, aber bis dahin könnten sie ein wenigstens annähernd gutes Leben führen. Wäre das nicht das Mindeste, das ein Tier verdient hätte?