Schweinebauern in Not

Was die Verbraucher an der Ladentheke gar nicht und in den Nachrichten nur am Rande mitbekommen ist die aktuelle Not der Schweinebauern.

Natürlich kann man jetzt sagen „Was interessiert mich das? Bedingt durch Corona haben doch alle Not: die Ladenbesitzer, die Restaurants, die Hotels, die unzähligen Menschen in Kurzarbeit. Sollen die Bauern doch gucken, wo sie bleiben.“  Ja, es ist richtig, dass Corona vielen Menschen existenzielle Sorgen bereitet. Dennoch ist die Sorge der Landwirte nicht nur auf ihr eigenes Schicksal begrenzt, sondern betrifft auch die Versorgungssicherheit unseres Landes und ganz besonders wichtig: das Schicksal der Tiere auf ihren Höfen.

Durch die zeitweisen Schließungen der von Corona betroffenen Schlachtbetriebe gibt es aktuell noch immer einen Rückstau von ca. 500.000 Schlachtschweinen. Also eine halbe Million Schweine (!) die in den Ställen stehen, obwohl sie längst hätten geschlachtet werden sollen. Sie werden immer dicker, haben dadurch immer weniger Platz und somit ganz erheblichen Stress, der sich u.a. durch gegenseitiges Verletzen Luft macht.

Dieser Überhang wird noch vergrößert, da die Schlachtbetriebe noch nicht mit ihrer vollen Kapazität arbeiten dürfen und daher etwa 120.000 Schweine pro Woche weniger geschlachtet werden können, als üblich.

Ein Boutiquenbesitzer kann seine Ware liegen lassen bis er wieder eröffnen darf. Ein Restaurant kann weniger Lebensmittel einkaufen  -  Tiere jedoch sind da, ihre Nachkommen (für die die Sauen schon vor Wochen besamt wurden) kommen auf die Welt, Corona hin oder her!

Die Landwirte sind zwar jetzt gefragt, das Besamen der Sauen aufzuschieben damit nicht immer mehr Ferkel (die künftigen Mastschweine) nachkommen, aber diese Maßnahme greift eben nicht von jetzt auf gleich. Und es muss auf der anderen Seite ja auch genügend Schweine geben, um die Nachfrage zu decken. Denn die Verbraucher wollen nicht vor leeren Regalen stehen, oder auch nur wochenlang auf die Lieblingswurst oder ihr Schnitzel verzichten müssen.

Als wäre das alles noch nicht schwierig genug für die Bauern, ist nun auch noch die Afrikanische Schweinepest in unser Land gekommen. Eine hochansteckende und tödliche Viruserkrankung für Schweine, die zwar von Wildschweinen ausgeht, aber durch verschiedene Faktoren (z.B. kontaminierte Gummistiefel) in die Ställe unserer Landwirte getragen werden kann. Zwar ist das Virus nicht auf den Menschen übertragbar, hält sich aber je nach Kühlung Monate bis Jahre in Fleisch- und Wurstwaren und kann dadurch in diesem Zeitraum weitergetragen werden. Wegen dieses hohen Infektionsrisikos müssen in Ställen, in denen auch nur ein einziger Fall ASP entdeckt wird, umgehend alle Schweine notgetötet („gekeult“) werden.  Von jetzt auf gleich, hunderte, tausende noch gesunder Tiere, vom Ferkel über die Muttersauen und Mastschweine bis zum Zuchteber – alle getötet und „weggeworfen“.

Dabei ist es logischerweise auch völlig egal, ob es sich um Bio-Betriebe oder Massentierhaltung handelt.

Die Hygienekonzepte der Schlachtbetriebe lassen hoffen, dass die Überhänge nach und nach abgearbeitet werden können. Die drastischen Maßnahmen wegen ASP lassen hoffen, dass sich die Seuche nicht weiter ausbreitet. Damit endlich wieder der normale Alltag einkehrt – denn der bringt schon genug Arbeit und Sorgen für die Landwirte und auch für den Tierschutz.