Brief eines Landwirtes, der an uns weitergeleitet wurde. Nachdenkenswert!

„ 5.30 Uhr, minus 6 Grad. Ich bin im Stall, wie jeden 01.Januar nach Silvester. Wie auch an Heilig Abend, an Geburtstagen, Feiertagen, Wochenenden und an allen anderen Tagen im Jahr. Der Unterschied dieses Jahr: ich hab‘ die Nase voll, es macht keinen Spaß mehr. Malträtiert von der Politik, schlechte Presse, Social Media Hate und Unverständnis der Bürger und Bürgerinnen. Allesamt Menschen, die jetzt im Bett liegen und schlafen. Nachdem sie gestern Abend Raclette hatten oder Fondue mit üppig Käse, Fleisch im Überfluss und dazu noch Brot und Gemüse, Wein und Bier. Menschen, die uns morgen wieder Steine in den Weg legen. Die in ihrem Leben noch nicht einen einzigen Tag in einem Stall gearbeitet haben, nicht wissen was es bedeutet keinen Feierabend und keinen Urlaub zu haben, die nicht wissen wie es ist, mit Fieber und Magen-Darm-Grippe zu arbeiten, und die sich dennoch herausnehmen alles besser zu wissen und über uns bestimmen zu können.

Die Auflagen werden immer strenger, immer mehr Papierkram, immer kosten- und zeitintensiver. Kälber, bei denen man beim Verkauf draufzahlt, gesunde Tiere, die zum Schlachter müssen, weil sie sich nicht mehr „rechnen“. Auflagen der Schlachthöfe immer unbegreiflicher für immer weniger Ertrag. Nahrungsmittel, die verramscht werden, Familienbetriebe, die zerstört werden. Eine unbegreifliche Düngeverordnung. Nicht nachvollziehbare Auflagen bei der Bodenbearbeitung. Um nur einige Punkte zu nennen.

Viele der Landwirte haben sich den Beruf nicht ausgesucht. Sie haben den Betrieb voller Stolz von den Eltern überreicht bekommen, nur um jetzt die Fußabtreter der Nation zu sein. Wollten sich was aufbauen, ihre Familie davon ernähren, wollten den Betrieb sicher durch die nächste Generation führen, nur um jetzt nicht mehr zu wissen, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen, um am Ende ihrer Kräfte, am Rande der Belastungsgrenze zu existieren.

Subventionen? Will ich doch gar nicht. Das ist doch nur ein Druckmittel der Regierung. Das ist Erpressung. Tust du genau, was ich dir sage, bekommst du Geld. Ich will eine funktionierende Marktwirtschaft, ohne angelogen zu werden. Mit ordentlichen Preisen in den Supermärkten. Nicht umsonst heißt es, an der Landwirtschaft verdient jeder, nur nicht der Landwirt. Schuld, an gefühlt jedem Problem der Nation.

CO² ? Die Landwirte waren’s! Zu viel Nitrat? Auch die Landwirte! Bienen- und Insektensterben? Na, wer wohl. Fast kein Wort über die Industrie, Auto, Tourismus, Kreuzfahrtschiffe, immer mehr Flugverkehr. Nein, denn die haben eine zu große Lobby. Stattdessen auf die Landwirte, die können sich nicht wehren. Ich streite keine Mitschuld ab, aber wenn mit dem Finger auf uns gezeigt wird, wenn sich Landwirte das Leben nehmen und die Kinder in der Schule deswegen gemobbt werden, hört bei mir der Spaß auf. Und alle werden über einen Kamm geschert. Ist Einer Tierquäler, sind es alle. Ist Einer Umweltsünder heißt es „Die Landwirte…“. Ich hingegen weiß, dass es durchaus noch ein paar wenige Menschen gibt, die Verständnis dafür haben und dankbar sind. Auch ich habe mir den Beruf nicht ausgesucht, aber eines ist sicher: ich werde ihn nicht in die nächste Generation übergeben, sondern bin froh, wenn der Alptraum ein Ende hat. Dann können alle die ach so tolle Irische Butter, argentinisches Rindfleisch und Schweizer Käse essen, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung über die dortigen Zustände zu wissen. Und wenn der letzte Landwirt vernichtet ist, wird man merken, dass Gesetze keine Lebensmittel produzieren.“